In unserer Testanlage #tgc sind nun teilweise über 12 Monate (seit 02.2019 im Betrieb) verschiedene Systeme im Einsatz. Stand 04.2020 sind 5 Systeme bzw. Varianten im Einsatz und werden kurz erläutert.

DWC-System

Das DWC (Deep-Water-Culture System) ist bekannt aus der Hydroponik in der Pflanzen auf einer Stryopor- oder Styrodur-Platte fixiert sind und schwimmen. Es wird daher auch gern Raftsystem oder Floßtechnik genannt. Das Wasser fließt unterhalb der Platte und versorgt die Pflanzen mit Wasser.

Welche Vorteile hat das DWC-System in der Aquaponik?

DWC ist technisch wenig anspruchsvoll. Ein Behälter in dem die Platten schimmen, Wasser fließt auf einer Seite hinein und läuft ab. Der Wasserstand bleibt konstant und die Wurzeln haben nach unten reichlich Platz sich zu entfalten, was sie auch tun.
>> Sehr wartungsarm, da kein Verstopfungsrisiko im Einlass oder Abfluss
>> Risikoarm, da bei z.B. Pumpenausfall Pflanzen immernoch Wasser bekommen.

Welche Nachteile hat das DWC-System in der Aquaponik?

Diese Methode ist nur für bestimmte Pflanzen geeignet, da die Wurzel die gesamte Zeit im Wasser steht/liegt. Tomaten eignen sich eher in einem Ebbe-Flut-Sstem

Ebbe-Flut-System

Wie bereits der Name vermuten lässt, simuliert man im Behälter Ebbe und Flut. Hierzu lassen sich 2 Methoden grundsätzlich erklären:

  • Zeitgesteuerte Pumpe (leistungsstark)
    • Becken wird schnell geflutet – Pumpe stoppt – Wasser läuft ab
  • Glocken-Siphon
    • konstant wird Wasser in das Becken eingelassen – Siphon wird bei Höchstfüllstand durch Unterdruck aktiviert und leert das Becken bis definierten Tiefststand – Vakuum löst sich auf und das Becken füllt sich wieder

NFT (Nutrient-Film-Technique – Nährstofffilm-Technik)

NFT kurz nach Aufbau!

NFT haben wir in 2 verschiedenen Systemen im Einsatz. Beide basieren auf Rohrleitungen (DN70) und horizontal fließend. Da das Wasser nur zu ca. 1/3 bzw. 1/4 im Wasser steht bzw. fließt werden die Wurzelenden nur befeuchtet und der Rest der Pflanze ist trocken bzw. zugänglich für Sauerstoff.

NFT-System 1:

Zur Ausbeute der Fläche wurden Rohre auf den Tank verbaut, sodass durch 2x 12Grad-Bögen eine konstanter Wasserstand erreicht wird und das Wasser fließt. Somit ausschließlich horizontal ausgelegt.

NFT-System 2:

Zur Ausbeute von Wandfläche wurde das NFT-System abgewandelt und sozusagen vertikal umgebaut. Dabei wurde weiterhin darauf geachtet, dass dauerhaft Wasser in den Rohren steht.

Vertikalsystem

Das Vertikalsystem bietet die Möglichkeit, Pflanzen in die Höhe zu pflanzen und somit besonders Wandbereiche bzw. Raumhöhen in Gewächshäusern zu nutzen. Es gibt Systeme, die sich drehen und damit eine hohe Effizienz im Besatz ermöglichen.

Wir haben nun nach 12 Monaten Testphase folgende Erkenntnisse gewonnen. Vertikalsysteme sind störungsanfällig, weil

  1. jeder “Turm” mit Wasser angesteuert und reguliert werden muss. Da dabei nur ein leichter Wasserstrahl bzw. gutes Tropfen ausreicht, wird durch Düsen etc. die Anfälligkeit zu Verstopfungen erhöht. Diese kann zur Austrocknung der Pflanzen innerhalb 2 Tage führen und bedeutet Totalausfall des Turmes.
  2. das Herausbiegen der Einsätze für die Körbe stellt eine Störung im Wasserfluß dar und Wasser kann an den Öffnungen austreten und zu unnötigem Wasserverlust führt. Das klingt etwas penibel, allerdings bei einem 1fachen Wasserumsatz der Anlage je Stunde und Tropfen aus jedem Korb kann dabei schnell 20 Liter in 1 Tag verloren gehen und das widerspricht dem Gedanken der Anlage!

Folgende Lösungen haben wir hierzu im Laufe der Monate entwickelt.

  1. Pumpleistung wurde erhöht und damit der Wasserdruck. Edelstahldüsen aus dem Bereich 3D-Druck wurden mit dem 0,4mm Düsendurchmesser zweckentfremdet.
  2. das Vertikalsystem wurde mit Vulkan-Granulat befüllt und ist seitdem Tropfenfrei. Das Granulat hat dabe eine Grundfeuchte die durch Steinkontakt übertragen wird. Eine Benetzung des gesamten Korbes ist somit gewährleistet und bei einem Ausfall hält sich ein Teil der Feuchtigkeit zumindest 3 Tage.